Hamburg vor dem Festungsbau im Jahre 1590

Dieses einzigartige Kartendokument aus “Civitates Orbis Terrarum” des Theologen Georg Braun in Zusammenarbeit mit dem Kupferstecher Frans Hogenberg erschien im Jahre 1590 in Köln.

Der Historiker Dr. Hans Walden sagte im Rahmen des “14. Kartographiehistorischen Colloquiums in Hamburg” der Kupferstich

“dokumentiert die topographische Situation Hamburgs vor dem Festungsbau: Das Stadtgebiet beschränkte sich damals im Wesentlichen noch auf die mittelalterliche Stadt und einen im 16. Jahrhundert an der Südseite hinzugezogenen Gebietsstreifen der Niederung Grasbrook. Die spätere Neustadt lag noch ungeschützt westlich der damaligen Wall-Linie entlang des Alsterfleets… [Der Betrachter schaut] … von Süden nach Norden auf die Stadt.”

Noch immer ist die Stadt nicht durch festes Mauerwerk geschützt – kurz vor Ende des 16. Jahrhunderts, sozusagen am Vorabend des Zeitalters der großen Religionskriege, boten aufgeschüttete Erdwälle ausreichend Wehrhaftigkeit gegenüber kriegerischen Auseinandersetzungen. Doch sind diese Wälle bereits höher als zum Hochmittelalter und man gelangt bereits nur noch über diverse Tore, die rings herum verteilt sind, in die Stadt. Das 16. Jahrhundert ist auch noch die ausgehende Zeit der Seeräuber, weswegen auf diesem Stich die in das Hafenbecken getriebenen Baumstämme zum Schutz vor eben solchen zu erkennen ist. Später sollten diese Pfähle zu einer richtigen seeischen Befestigungsanlage, dem Baumwall ausgebaut werden.

Ebenfalls erhalten hat sich vom Standort und Namen her der sogenannte “Neue Kran” (auf der Karte nummeriert als 13 – “der niew Kraen”), welcher die endgültige Verlagerung des Hauptumschlagsplatzes für Hafengüter gen Elbe (damals lateinisch “Albis flu” genannt) symbolisieren sollte.  In den vorhergegangenen Jahrhunderten war die Elbe noch nicht ausreichend befestigt gewesen und so fuhren Handelsschiffe stets die Alster hinauf zu den alten Anlegestellen.

Zu erkennen sind beim näheren Betrachten die mittelhochdeutschen Bezeichnungen für den Alten Fischmarkt (“Visfchmarck”) sowie den damaligen Pferdemarkt (“Die Pferdemarck”). Der damalige Hauptumschlagplatz für alle Güter des täglichen Bedarfs (“Die Marck”) befindet in etwa auf der Höhe des heutigen Rathausmarkts. Ein Markt, der Hopfenmarkt (damals “Hoppemarck” genannt) hat sich als Marktplatz bis heute erhalten. In früheren Zeiten wurden direkt vor der St. Nikolaikirche Waren feilgeboten, heutzutage liegt der Wochenmarkt etwas versetzt in Richtung Westen.