Die Hansestadt Hamburg um 1400

Wie langsam die Uhren am Vorabend des 15. Jahrhunderts in Hamburg getickt haben mochten, davon mag diese rekonstruierte Darstellung Hamburgs um 1400 herum zeugen. Der Hamburger Lokalhistoriker Ernst Heinricht Wichmann fertigte sie im Jahre 1889 an.

In den vergangenen 80 Jahren gab es in der inneren Stadt keinerlei nennenswerte Veränderungen – und ebenso keine Ausdehnung nach Außen. Jedoch war Hamburg nach der veheerenden Pest 1350 in seiner Bevölkerungszahl zwar um die Hälfte dezimiert worden, jedoch zu einer mächtigen und wohlhabenden Hansestadt aufgestiegen.

Der erstarkte Handel nötigte die Stadt jedoch dazu Handelswege in alle Himmelsrichtungen auszubauen, wie man auf der Karte gut erkennen kann. Das Sumpfgebiet im Süden, hier noch “Neuer Bruch” (Nye Brook) genannt, wurde später zum Grasbruch oder Grasbrook, auf welchem 1401 der berüchtigte Likedeeler Klaus Störtebeker hingerichtet wurde.

Das einzelne am Ostufer des aufgestauten Alstersees gelegene Gebäude wird hier hier niederdeutsch “Seekenhus” genannt, womit in damaliger Redeweise das Hospital St. Georg gemeint war. Wichmann versuchte in einer Art damals weiterbereitetem Historismus’ volkstümlich und mundartlich geprägte Bezeichnungen in seiner Karten zu übernehmen.

Eine rekonstruierte Karte von Hamburg um 1320

Wir blicken auf die mittelalterliche Stadt Hamburg etwa um 1320 herum. Es handelt sich nicht um eine Originalkarte sondern um eine Rekonstruktion anhand von schriftlichen Überlieferungen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie wurde vom Hamburger Lokalhistoriker und Offizier Cipriano Francisko Gaedechens angefertigt.

Dieser faszinierende Blick in die Vergangenheit zeigt bereits die vier Kirchspiele (St. Nikolai, St. Katharina, St. Petri, St. Jacobi) sowie die Klöster St. Maria, St. Maria-Magdalena und St. Johannis. Hamburg, welches damals niederdeutsch Hamborch und Lateinisch Hamburgum genannt wurde, hatte in die vergangenen hundert Jahren nicht signikant an Größe gewonnen und sollte auch für weitere zwei Jahrhunderte (!) in etwa diesen Grundriss behalten.

Hamburg war damals noch lange nicht durch massive Mauern sondern schlicht durch aufgeschüttete Wälle im Osten von äußeren Feinden geschützt; im Westen bildet die Kleine Alster eine natürliche Barriere. Gut zu erkennen ist der Reesendamm, ursprünglich eine Holzstamm-Aufdämmung der Alster wodurch der große Alstersee entstand. Heute heißt diese ehemalig Überquerung übrigens Jungfernstieg.

Straßennamen, die sich bis heute erhalten haben, sind z.B. Clingenberg (heute: Klingberg am Meßberg), Speresord (Speersort), Stenstrate (Steinstraße, damals tatsächlich eine der ersten Straßen aus aneinandergelegten Steinen), Spitalerstrate (Spitalerstraße) und andere.

Die Insel, auf der sich die mit etwa 25 Metern Höhe damals schon bedeutende, frühgotische Pfarrkirche Sankt Nikolai befand, heißt heute noch nach der dort befindlichen ehemaligen Niederungsburg “Neue Burg” (auf dem Plan als niederdeutsch “Nye Borg” zu erkennen). Die heutige Straße “Alter Fischmarkt” deutet auf den “Olde Market” beim St.Maria Kloster hin, die heutige Bergstraße auf den Platz “Berg” (neben der Hauptkirche St. Petri), weil dies die höchste Erhebung der alten Stadt Hamburg war.

Nach Süden und Südosten erstreckt sich Sumpfland (niederdeutsch damals Brok, später Brook genannt), nach Westen ist das Land noch von weiten Wäldern und bereits erschlossenem Ackerland durchsetzt. Nach Osten führt die Spitalerstraße zum bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts errichtete Hospital St. Georg (historisch “Seekenhus St. Jürgen” genannt), welches später namensgebend für eine Vorstadt Hamburgs sein sollte.