Hamburgs Norden um 1884

<< Zurück zum Gesamtartikel zu 1884.

Beleuchten wir die nördlichen Vororte Eimsbüttel, Harvestehude und einen Teil Rotherbaums etwas genauer.

Die nördlichen sogenannten Vororte (sie erhielten diesen Status mit der Reichsgründung von 1871) Hamburgs, entwickelten sich in der Gründerzeit zu den bevorzugten Wohnorten wohlhabender Kaufleute und höherer Beamter, wovon vor allem die großzügigen Grundstücksgrößen in Harvestehude und Rotherbaum zeugen. Auch heute noch kann man einen guten Blick auf die eindrucksvollen Villen dort erhaschen – wie man gut erkennt, wurden die Züge zwischen Hallerstraße, Klosterallee und Hochallee streng schachbrettartig geplant und befanden sich 1884 gerade erst in der Entstehung – die berühmte Isestraße ist hier noch unbebautes Uferland des “Ise-Canals” (sic!). Die Straßen östlich des Grindelbergs waren durch die Operation Gomorrha im Zweiten Weltkrieg fast vollkommen zerstört worden und wurden nach einem Komplettabbruch aller dort befindlichen Gebäude zum heutigen Areal der Grindelhochhäuser umgestaltet.

Auf den westlich der Kirche St. Johannis im Vorort Rotherbaum gelegenen hügeligen Wiesen fanden zehn Jahre später die ersten Hamburger Tennisturniere statt – im Übrigen bis heute.

Auf den wiederum westlich dieser Wiesen befindlichen Ländereien entstand in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts der Campus der Hamburger Universität – Man mag mit dem Blick auf diese weit über 100 Jahre alte Karte eventuell überrascht sein, dass dieses relativ große zusammenhängende Gebiet ausnahmsweise nicht durch die Zerstörungen des Krieges entstand sondern schlicht und ergreifend Brachland gewesen war. Freilich war jedoch die Uni Hamburg noch lange nicht gegründet – Hamburg tat sich als Handelsstadt leider Gottes stets schwer mit der reinen Lehre. Als sozusagen späte Wiedergutmachung befinden sich heute aus dem Gelände der ehemaligen “Casernen” Rotherbaums heute ausschließlich Fakultäten der Universität. Daneben das noch heute stehende Dreiflügelensemble Schröderstift.

Gehen wir weiter, sehen wir südlich den uns bekannten Schanzenpark mit Wasserturm – die Übrigbleibsel einer ehemalig weit vor der Festung Hamburg vorgelagerten Wehranlage. Nördlich hiervon erstreckten sich nach einigen Wohnstraßen in Eimsbüttel weite Wiesen und Moore, welche als Weideland genutzt wurden. Straßennamen wie “Hohe Weide”, “Moorkamp”, “Weidenstieg” und “Moorweide” zeugen auch heute noch hiervon. Sehr wahrscheinlich mit “Schlamm” übersetzen kann man das niederdeutsche “Schlump“, einer in Hamburg sehr bekannten, heute viel-befahrenen Straße, welche dieses 1884 noch vollkommen unberührte Weideland von Süden her einsäumte.

Beenden wollen wir den historischen Gang durch die Straßen von 1884 noch mit einem kurzen Blick in den nördlichen Teil Eimsbüttels, wo sich bis heute Straßen wie “Henrietten-“,  “Tornquist-” und “Osterstraße” in Lage und Bebauung erhalten haben. Interessant in dieser Gegend anzumerken ist noch, dass es den kleinen aber feinen Erholungspark “Am Weiher“, welcher durch private Hand etwa zehn Jahre zuvor errichtet und kurze Zeit später von der Stadt Hamburg übernommen und öffentlich zugänglich gemacht wurde.

Hamburg und Altona im Jahre 1884

Blicken wir zunächst auf einen relativ groben Plan der Städte Hamburg und Altona im Jahre 1884. Auf weiteren Detailansichten, die hier entsprechend verlinkt sind, werden bemerkenswerte Aspekte näher beleuchtet .

Hamburg und das ehemals dänische Altona, zwei reiche Handelsstädte, die unterschiedlicher kaum sein mochten, waren nach Jahrhunderten des Gegeneinander nunmehr auf dem Weg zu einem Gebiet zusammenzuwachsen. Auf dieser Karte ist eindrucksvoll zu erkennen, wie sehr die innere Kernstadt Hamburgs an ihre Grenzen gestoßen sein muss, weswegen die vor zwei Jahrzehnten aufgehobene Torsperre nunmehr ein natürliches Wachstum vor allem nach Altona aber auch in die neuerlichen Vorte im Norden und in Richtung der Vorstadt St. Georg ermöglichte.

Deutlich zu erkennen ist, wie die ehemals viel kleinere Stadt Altona nunmehr der Alt- und Neustadt Hamburgs flächenmäßig in Nichts mehr nachstand – zumal die einige Jahre später stattfindende Eingemeindung u.a. der Dörfer Ottensen, Neumühlen, Bahrenfeld und Övelgönne erst noch vollzogen wurde.

Im Jahre 1884 befand sich Hamburg mitten in der sogenannten Gründerzeit, was sich – wie hier grob zu erkennen ist – vor allem in der auch noch heute noch charakterischen Villenbesiedelung der ehemals rein ländlichen Vororte Hamburgs wie Harvestehude, Eppendorf, Eimsbüttel, Rotherbaum und Uhlenhorst niedergeschlagen hatte. Hier pflegten bevorzugt eher höhergestellte Beamte oder Unternehmer Wochenenddomizile oder Stammhäuser zu unterhalten.

Bemerkenswert sind die schon damals hervorstechenden Freiflächen des Heiligengeistfeldes, ehemals zum Hospital gleichen Namens gehörende Ländereien, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend als Veranstaltungswiesen genutzt wurden, sowie der rechteckige Rasenplatz im Vorort Rotherbaum, wo ab 1892 tatsächlich schon die ersten Tennisturniere Hamburgs stattfanden. Zusätzlich ins Auge stechen mögen die großflächigen Wiesen Eimsbüttels, welche vornehmlich als Weideland genutzt erst viele Jahrzehnten später besiedelt werden sollten.