Altona um 1884

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Von unserer Gesamtübersicht kommend, werfen wir heute einen näheren Blick auf die im Jahre 1884 noch eigenständige Stadt Altona. Diese war nach Jahrhunderten als dänische Grenzstadt seit dem Ende des Preußisch-Österreichischen Kriegs nunmehr preußisch geworden, was sich zunehmend am Stadtbild aber auch an der zunehmenden Annäherung bzw. Verschmelzung zur Nachbarstadt Hamburg niederschlug.

Wer mit den heutigen Bezirken Altona-Altstadt und Altona-Nord, die grob auf unserer historischen Overlay-Karte zu sehen sind, vertraut ist, wird schnell feststellen, dass sich Verlauf und Lage vieler Straße zwar erhalten haben, deren Namen jedoch gänzlich andere sind als noch im 19. Jahrhundert; eine umfangreiche Auflistung findet sich u.a. bei Wikipedia. Der Grund liegt schlicht in der späteren Eingemeindung Altonas und dem damit einhergehenden Gebot der Namenseindeutigkeit von Straßen – böse Zungen behaupten jedoch, dass Preußen hiermit die Identität der ehemals verhassten dänischen Stadt auslöschen wollte.

Beginnen wir unseren Rundgang durch das historische Altona in der oberen Mitte, wo noch Teile des damals sehr umfangreichen Komplexes “Viktoria-Kaserne” erstrecken – einige der hierzu gehörenden, weithin sichtbaren Gebäude stehen noch heute und werden unter anderem von einem Künstlerkollektiv genutzt.

Nördlich hiervon verläuft die damals recht neu gebaute Verbindungsstrecke des Altonaer Bahnhofs mit dem Hamburger Bahnhof “Klosterthor” – südlich kann man den bis heute erhaltenen Helenenstift erkennen. Er lag und liegt an einer bedeutenden Achse, die damals wie heute ein jedes Kind sofort benennen kann: Max-Brauer-Allee, damals schlicht mit “Allee” bezeichnet.

Nordöstlich gut zu erkennen: der heute vor allem bei jüngeren Menschen äußerst beliebte “Wohlerspark” (der sogar über eine eigene facebook-Seite verfügt!), der im Jahre 1884 ein schon nicht mehr aktiv genutzter Friedhof gewesen ist.

Das Straßengeflecht in der Mitte der Karte ist mehr oder weniger so erhalten geblieben – bis auf die Namen natürlich – markant erscheinen mehrere Kasernen, was dem Zeitgeist des damals jungen Deutschen Reiches mehr als entsprochen haben dürfte und von vielen Anwohnern als durchaus positiv empfunden wurde. Ein gesondertes Augenmerk wollen wir auf zwei Baudenkmäler legen: zum einen das heute gewerblich genutzte “Thedebad“, welches damals eine erst kürzlich erichtete Badeanstalt für die ärmere Bevölkerung war. Zum anderen ist hier gut der heute weltberühmte sogenannte Jüdische Friedhof Altona zu erkennen – in damaliger Kartensprechweise schlicht “Isrealitische Begräbnisplätze” genannt – das besondere an diesem Friedhof war und ist, dass sowohl aschkenasische wie sephardische Juden auf ihm bestattet wurden, was zu jeder Zeit äußerst unüblich war und ist. Östlich in Sichtweite hiervon das ehemalige “Alte Rathaus Altona“, ein Bau aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Ein abschließender Blick auf den südlicheren Teil der Karte offenbart noch ein paar interessante Details: das heutige Altonaer Theater hatte seine Spielstätte damals noch an der Königsstraße (die sich namentlich ausnahmsweise erhalten hat). Gut zu sehen ist die einstige (einzige) Hauptkirche der Stadt Altona, heute St. Trinitatis genannt – und leider etwas weniger gut zu erkennen, ist das wuselige Straßengeflecht der alten Hafenstadt Altona mitsamt schmaler Gänge, Elbbrücken und natürlich dem berühmten (Altonaer) Fischmarkt.